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Allgemein

New Work – eine Idee, deren Zeit gekommen ist?!

Dieser Beitrag stammt aus anderer Feder, siehe hier.

Hinzugefügt: Und hier gleich noch eine lesenswerte Kolumne mit einer anderen Schlussfolgerung: New Work. Der Ausverkauf hat begonnen. – Dr. Andreas Zeuch

Wir halten beide für so interessant, dass wir ihn gerne den Lesern unseres Blog zur Kenntnis geben.

 

New Work – ein Thema, das viele bewegt und als „Arbeiten 4.0“ sogar ganze Messen wie die Zukunft Personal inspiriert hat, erleidet aktuell den typischen Gartner-Zyklus:

Nach der breiten Anfangseuphorie mehrten sich die kritischeren Stimmen (s. zuletzt z.B. Hendrik Epe hier und Gunnar Sohn hier), wobei wir nun aber an einzelnen Stellen auch schon wieder das Tal der Enttäuschungen und Enttäuschten durchschritten zu haben scheinen.

Vielleicht bewegen wir uns bald in Richtung Erleuchtung 😉 Vor zwei Jahren warnte jedenfalls selbst der Autor dieser Rezension in der Huffington Post noch kritisch vor den New-Work-Mythen (s. hier). Zu sehr klangen manche Schöner-Arbeiten-Ideen nach Hedonismus (neudeutsch: Feel-Good) ohne ökonomische Sinnhaftigkeit. Und nun?

Nun folgt hier eine Lobgesang auf New Work und dann auch noch eine positive Bewertung eines neuen New-Work-Buch von Professor Benedikt Hackl, das er zusammen mit den Detecon-Beratern Marc Wagner und Lars Attmer und dem Employer-Branding-Experten Dominik Bauman geschrieben hat (s. hier). Wie kommt dieser Wandel vom Saulus zum neuen New-Work-Gemeindemitglied und warum ist nach vielen New-Work-Büchern ein weiteres Buch sinnvoll?

Zunächst zu New Work: Wie auch zuvor bei einem Buch vom Tim Cole zur Digitalen Transformation, wo ich auch meine Anfangsskepsis überwand (s. hier), darf ich mich über ein Déjà-vu-Erlebnis in diesem Sinne freuen. Manchmal muss mal einfach geduldig sein, dann folgt die anfangs fehlende Substanz in einem Innovationsfeld mit der Reife der Diskussion und der Praxis. So scheint nun auch für New Work jenseits der anfänglichen Mythen und trotz aller berechtigten Kritik die Zeit für eine breite Praxisrelevanz gekommen zu sein. Man kann heute auch souveräner mit Kritik umgehen, denn New Work ist der Pubertät entwachsen und auf dem Weg zur belastbaren Erfolgsstory. Das liegt nicht zuletzt an den frühen Pionieren des Themas.

Thomas Sattelberger, einer der wenigen Köpfe in der HR-Hall-of-Fame von Haufe, hatte früh die Richtung gewiesen und New Work als Basis für eine neue Produktivität in disruptiven Zeiten und für eine Kulturverträglichkeit in der Sinnökonomie propagiert. Der ehemalige Telekom-Vorstand und Hoffnungsträger der FDP war Pionier einer neuen Logik lange bevor andere nur Ideen kopierten. Verdient werden die Botschaften von Thomas Sattelberger daher immer wieder von Hackl, Wagner et al zitiert und nun um wichtige Perspektiven und vor allem empirische Erkenntnisse erweitert. Das, was bei Vordenkern wie Sattelberger noch zum Teil intuitive Wegweisung bleiben musste, lässt sich nun auf Basis von Studien valider unterfüttern.

So weit zu New Work. Die Zeit ist aber nicht nur reif für New Work, sondern auch für ein Buch, das u.a. mit substantiellen Studien und Praxiserfahrungen zum Thema manche Vermutung endlich zur Gewissheit werden lässt – auch wenn nicht alle Blütenträume reiften – und so eine fundierte Wegweisung liefert.

Es ist kanonisch, dass ein dreiteiliges Buch den ersten Teil der Umfeldanalyse (Warum machen wir das Ganze) und den dritten Teil der Methodik und Praxiserfahrungen (Wie machen wir das Ganze?) widmet. Sehr erfreulich ist dann aber vor allem ein Mittelteil, der beides – Herausforderungen und Lösungen – durch eine profunde, studienbasierte Aufklärung verbindet. Vergesst das Geschwätz, lest Cole! Diese Aufforderung von mir zum Cole-Buch lässt sich auch auf Hackl, Wagner et al ausweiten. Statt Tschaka-Büchern sollte man diesem Buch seine Aufmerksamkeit schenken.

Dann erkennt man z.B., dass es bei New Work eine in Teilen enorme Diskrepanz zwischen der Realität und den Mitarbeiterwünschen gibt. Nur ein Beispiel, das diese Diskrepanz aufzeigt, ist die Beteiligung der Mitarbeiter an der Strategieentwicklung. Sie ist (s. Bild 3) immer noch mehr Wunsch als Wirklichkeit. Was aber nutzen uns schicke Creative Workspaces, wenn man bei den essentiellen Fragen nicht mitwirken kann?

Einige weitere Beispiele für die Substanz und wichtige Botschaften des Buchs und den zwischenzeitlichen Wandel, aber auch für noch offene To Dos:

  • Fast 70% der Führungskräfte halten das Thema New Work laut Studien / Buch für absolut wichtig, das macht doch Hoffnung!
  • Spannender Weise sind Führungskräfte aber mit 3,55 von 5 Punkten auch ein Hindernis bei der Umsetzung.
  • Mitarbeiter oder das oft gescholtene Arbeitsrecht und der Betriebsrat schneiden da deutlich besser ab!
  • Nur ein Hindernis für den Wandel wiegt schwerer – die Geschäftsführung (mit 3,8 von 5 Punkten).

Solche Ergebnisse sind erstaunlich, weil Studien und Buch zugleich die ökonomische Relevanz von New Work belegen und z.B. aufzeigen wie New Work-Ansätze mit den Erfolgskennzahlen wie Arbeitgeberattraktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Umsatz korrelieren. Solche Ergebnisse sind aber auch schmerzhaft, denn um Hermann Simon zu zitieren: „Die Reform beginnt an der Spitze. Die Treppe muss von oben gekehrt werden“ Man wundert sich dann nicht, wenn die Autoren aufklären:

„Sowohl schnelle Entscheidungswege als auch weniger Hierarchiestufen sind in der Unternehmenswirklichkeit schwächer ausgeprägt als von Seiten der Mitarbeiter gewünscht“.

Sind vielleicht Unternehmensführer trotz der Einsicht zu oft Zögerer und manche Lähmschicht-Vertreter im Mittelbau Verhinderer des Wandels, den Kunde und Markt erfordern und Mitarbeiter wünschen? Vielleicht ist die Auflösung viel einfacher: U.U. fehlt Entscheidungsträgern oft einfach das Rüstzeug zur Bewertung von Chancen und Risiken und für ein ganzheitliches Vorgehen. Zum Glück widmet sich das letzte Drittel des Buchs genau diesem Thema.

New Work ist also auf einem guten Weg und das Buch von Hackl, Wagner et al eine gute Basis für alle, die mit aufbrechen wollen, um eben nicht Hindernis und Teil des Problems, sondern Teil der Lösung zu sein. Dass es ein Vergnügen ist, das Buch zu lesen, liegt aber nicht nur am Inhalt, sondern auch an der Illustration. Auch das ist Wertewandel: Statt monolithischer Bleiwüsten prägen Bilder von Orange Council das Werk, wo Chef-Kurator Dr. Zünkeler normalerweise seine Zeit damit verbringt, mit Künstlern und Kreativen neue Arbeitswelten zu gestalten.

Da bleibt New Work als Konzept nicht nur verbunden mit kühler Analyse und linker Gehirnhälfte. New Work wird vielmehr assoziiert mit einer Bilderwelt, deren Emergenz den Zauber von New Work ganzheitlich über die rechte Gehirnhälfte erahnen lässt.

Was will man mehr?

 

Quelle: „New Work: Auf dem Weg zur neuen Arbeitswelt: Management-Impulse, Praxisbeispiele, Studien“ von Benedikt Hackl, Marc Wagner, Lars Attmer, Dominik Baumann, 2017

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www.martinlennartz.de

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