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Allgemein

Zur Bundestagswahl: Jetzt reden mal die anderen!

Natalie Knapp: Der unendliche Augenblick (Buchcover-Ausschnitt)

Weißt Du schon oder überlegst Du noch?

Damit das gleich am Anfang klar ist: Ich gehe wählen. Ich möchte es nicht andern überlassen, über mich und für mich zu entscheiden. Da will ich schon ein Wörtchen mitreden. Das geht glaubhaft nur durch Beteiligung, auch an Wahlen. Mit dieser Feststellung verlassen wir sicheres Gelände und begeben uns auf den Pfad großer Unsicherheit. Ich zumindest. Wenn ich den Nachrichten Glauben schenke, fühlen mehr als 50% der am 24. September Wahlberechtigten ähnliche Unsicherheiten, bei welcher Partei sie denn ihre Kreuze machen sollen. Da haben wir, die Unsicheren, die noch Unentschlossenen, schon mal eine Mehrheit. Die ist allerdings vergänglich: Haltbarkeit bis 24. September 18h.

Auf unserer letzten Brotzeit warf jemand die Frage mit Diskussionswunsch in die Runde: „Ich weiß nicht, was ich wählen soll? Können wir darüber mal offen reden, wie Ihr das so seht?!“ Die Idee fand begeisterte Zustimmung, der Frager hatte einen Nerv getroffen, fast allen ging es ähnlich. Wie das manchmal so ist, es gab eine spannende Diskussion, die dann allerdings von diesem Kernthema auf ein anderes abschweifte. Doch die Frage blieb. Sie bewegt noch immer mit Nachhall und irgendwann beim Arbeitsfrühstück war sie denn sehr präsent: Wenn denn eine Mehrheit nicht so recht weiß, wen sie wählen soll, und diese Frage bei allen Zuhörenden eine interessiert begeisterte Resonanz auslöst: Warum machen wir denn nicht eine „Gesprächsrunde“ dazu und laden die unsichere Mehrheit ein? Ja, warum eigentlich nicht? Also!

Gleich hier noch eine Klarstellung: Wir wollen keine Wahlveranstaltung. Wir wollen keine Parteiempfehlung aussprechen. Wir wollen keine Fragespielchen mit Parteivertretern spielen, die dann mit Wahlkampfversprechenredeblasen nicht beantwortet werden. Wir wollen niemandem sagen, was er denn wählen soll. Alles das wollen wir unter keinen Umständen.

Wir wollen darüber reden, warum immer mehr Menschen sich politisch interessieren und engagieren (zum Beispiel in unserer Werkstatt und anderswo), die aber von den politischen Parteien immer weniger angesprochen werden. Was verunsichert uns? Was wäre uns wichtig? Was stellen wir uns unter Zukunftsperspektiven vor? Sind wir zufrieden mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft? Oder sehen wir keine glaubhaften Perspektiven? Müssen wir einfach so weitermachen? Was verstehen wir unter sozialer Gerechtigkeit? Was sind unsere Vorstellungen von Arbeitswelt, Zukunftstechnologien, einer lebenswerten Gesellschaft? Hat unsere unsichere Unentschlossenheit für die Wahlen etwas damit zu tun, dass wir immer die gleichen Antworten auf immer neue Fragen bekommen? Ist unser Schweigen Ausdruck einer großen inneren Zufriedenheit? Können am Wahlsonntagabend wie immer die Politiker sich über unsere breite Zustimmung und eindrucksvolle Bestätigung ihrer Linie freuen und bedanken? Oder werden wir immer nur falsch interpretiert, sollten vernehmbar den Mund aufmachen? Etwas selbst anpacken gar?

Mal ganz persönlich: Ich habe mich 1969 als noch nicht wahlberechtigter Schüler erstmals intensiv aus Interesse und als Unterrichtsstoff im Politischen Unterricht für Parteien, Programme, Wahlkampf interessiert. Ich habe gelernt, dass neben allen Sichtweisen und Versprechen zu Einzelthemen eine wertebasierte Grundüberzeugung eine Rolle spielt. Kaum jemand stimmt mit irgendeiner Partei völlig überein. „Das kleinere Übel wählen“, das war damals schon dominante Denkweise. Sie ist es – wenig überraschend – bis heute geblieben. Was mich allerdings massiv stört: Ich habe das Gefühl, dass das Maß der Zustimmungs zu dem, was als kleineres Übel gesehen wird, von starker Schwindsucht befallen ist. Immer mehr klein und immer mehr Übel, ein schleichender Niveauverfall.

Die Werkstatt NextWork ist eine unabhängige Plattform. Das werden wir bleiben. Wir möchten ein Forum bieten, auf dem unsichere Wähler sich über das unterhalten, was ihnen wichtig ist. Jeder soll wissen: ich bin mit meiner Sichtweise nicht alleine. Jeder soll sagen, was ihm wichtig ist, warum er zögert, welche Fragen er hat. Jeder darf natürlich Antworten finden, Denkanstöße mitnehmen. Aber keine Werbung für Antworten oder die Platzierung von Kreuzen auf dem Wahlzettel machen. Eine Denkanstoßveranstaltung mit Lautsprechercharakter: Was beschäftigt uns wirklich, was sind unsere Erwartungen, was fehlt uns zu echter Überzeugung im System der politischen Parteien? Wir wollen Impulse setzen, zum Denken und Handeln anregen. Bloß keine fertigen Antworten und Patentrezepte aus der Ideologieküche irgendeiner Partei. Egal welcher.

Und was ist mit den Parteien? Die werden wir einladen und spezielle Plätze für Parteivertreter anbieten. Mit Zuhörpflicht und Schweigegebot. Das ist der plakative Ausdruck unseres Wunsches, dass die Parteien nicht im Mittelpunkt des Redens auf dieser Veranstaltung stehen. Politische Parteien könnten profitieren, wenn sie einfach mal zuhören, um zu verstehen. Dafür bieten wir gerne Raum und Plattform. Von allen anderen wünschen wir uns Gedanken, Meinungen, offene Fragen.

Das Veranstaltungsformat: Keine Reden, keine Präsentationen, wir wollen wie immer ein offenes, teilnehmerorientiertes Workshop-Format bieten. Im Moment denken wir an ein kleines Podium (Fischbowl) mit Braunschweigern (Region!) aus verschiedenen Lebensbereichen, die einen kleinen Aufschlag zur Anregung und Stimulation machen. Dann haben alle das Wort. Wie genau, das hängt von der Teilnehmerzahl und den Interessen der Beteiligten ab. Wir bieten eine Plattform, kein ausgefeiltes Programm.

Das ist unsere Idee. Die offenen Fragen sind geklärt: Die Veranstaltung findet statt. Am 12. September ab 18h in „Les Halles“, den Wichmannhallen. Weitere Informationen über besondere Gäste u. a. laufend hier. Wie immer: Anregungen und Kommentare erwünscht, Mitmacher gesucht, Weitersager, Teiler und Verlinker auch.

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www.martinlennartz.de

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